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7
Sep
2008

Verboten

Eigentlich ist es ein Schande, aber irgendwie auch typisch für mich. Nachdem ich jetzt schon so lange in Thailand bin, habe ich es erst vorgestern mal geschafft, den Königspalast, eine der touristischen Hauptattraktionen Bangkoks, zu besuchen.
Noch bevor ich aber überhaupt das Palastgelände betreten konnte, hatte ich schon einen ersten, bitteren Geschmack auf der Zunge. Grund war das Schild am Kassenhäusschen.
„Eintritt 300 Baht“. Das ist OK, wenn nicht unten drunter in Thai stehen würde „Thais müssen keine Eintrittskarte kaufen und kommen umsonst rein“.



Im Grunde ist es ja ein wenig nachzuvollziehen. Ist ja ihr König, also dann praktisch auch ihr Königspalast und damit ihr Kulturgut. Aber Deutsche bezahlen auch in Neuschwanstein Eintritt. Das wirkt natürlich, als wären die Touristen melkbare Geldschweine. Die Sache wird noch unehrlicher, weil diese Information nur in Thai am Häusschen stand.

Im Palst selber, gibt es dann die üblichen Museumsrestriktionen: Fotografieren und Filmen verboten. Fotografieren scheint noch verständlich, weil natürlich die Strahlkraft von Tausend Blitzlichtern, die Ausstellungsstücke verblassen lassen könnte. Aber mit Blitz wird nur selten gefilmt und es wäre ein leichtes gewesen, darauf hinzuweisen, dass das Fotografieren und Filmen mit künstlichen Lichtquellen untersagt ist.


Zusätzlich nervig ist es, dass man auern die Baseballkappe absetzen muss, aber das gehört sich so in einem Tempel und steht nicht zur Debatte. Warum ich aber im Museum die Kappe hätte absetzen sollen war mir dann doch schleierhaft, weil es kein religiöses Gebäude war sondern eben ein Museum. Entsprechend bin ic dieser Aufforderung dann auch nicht nachgekommen, weil mir das dann doch zu blöd war.

Das Höchstmass an thailaendischer Ungeschicktheit war aber das folgende Schild, dass einem sogar mit einem deutschen Wort mitteilt, dass Ausländer hier nicht lang dürfen. Das ist dann natürlich für den handelsüblichen Touristen völlig unverständlich, warum er Eintritt bezahlen muss, dann aber nicht wie die Thais alle Bereiche der Palastanlage betreten kann.
So ging es mir natürlich auch. Ich habe es mir allerdings dann erlaubt einen der Aufseher auf Thai zu fragen, was es damit auf sich hat. Der einfache Grund: Dort geht es zu einem Ausgang und wenn man da als Ausländer mal draussen ist, sind wieder die 300 Baht Eintritt fällig um wieder reinzukommen. Für die Thais fällt das natürlich nicht an und deswegen dürfen die da lang. So schliesst sich der Kreis.
Aber angesichts der Tatsache, dass sich Tausende Besucher täglich unerwünscht vorkommen, könnten ja mal ein paar der 300 Baht-Eintrittsgelder auf vernünftige Schilder verwendet werden.

Technorati:

6
Sep
2008

Die große Prat Namo "Thai Food Diet" - Meine täglich Nudelsuppe

Frühstuck ist eine der wichtigsten Mahlzeiten in Asien. Dabei geht es hier aber nicht um Kaffee und Marmeladentoast, sondern um handfeste Gerichte, die manch einem Westler auch noch abends zu herzhaft wären. Hier in Thailand gibt es keine Konventionen, welche Art Gericht zu welcher Tageszeit gereicht wird. Es geht also auch schon morgens gebratener Reis, frittiertes Hühnerbein oder eben die Nudelsuppe (Guidiao). Die Suppen in Thailand sind ein Vermächtnis der ethnischen Verwandschaft mit den Südchinesen. Nachdem die Chinesen ja die Nudeln erfunden haben, gibt es in deren Küche natuerlich unzählige Varianten sie zuzubereiten. Eine davon ist sie halt zusammen mit Fleischbällchen und etwas Gemüse als Suppe zu servieren.



Eine Nudelsuppe zu bestellen, scheint auf den ersten Blick einfach, ist es aber nicht. Denn es gibt natürlich jede Menge Varianten, wie so eine Suppe zusammengestellt werden kann.
Das fängt schon bei den Nudeln an: Es gibt gelbe Eiernudeln, breite Reisnudeln, dünne Reisnudeln und kurze dünne. Dann wird die Fleischeinlage abgefragt. Rind,-Schweine- oder Hühnchenfleisch? Fischbällchen, Shrimpbällchen, Rind,-Schweine- oder Hühnchenbällchen? Mit sauerscharfer Dom Yam-Paste oder doch lieber mit frischem Blut?
Wenn das geschafft ist, kommt die Suppe auch recht bald. Und dann ist die eigene Würzkunst gefragt, denn dann bekommt man ein kleines Tragerl mit zusaetzlichen Zutaten auf den Tisch gestellt. Darin sind kleine Töpfe mit Reisessig und darin eingelegten Chillies, ausserdem Fischsauce, Zucker, Chilliöl, Chillipulver und geraspelten Erdnüssen. Es ist obligatorisch, dass man sich seine Suppe dann also noch mal selber verfeinert. Und entsprechend kann man auch variieren. Eine Suppe schmeckt deswegen eigentlich nie gleich.
Und genau deswegen kann ich sie auch jeden Tag zum Frühstück essen. Richtig scharf – das bringt den Kreislauf in Schwung.
Technorati:

2
Sep
2008

Nahrungsmittelhygiene in Thailand - Der „warme“ Kühlschrank

In unzähligen Kramläden in Thailand, die allerlei Plastikutensilien verkaufen kann man sie finden: Die Plastikglocken zur Aufbewahrung von Nahrungsmitteln. Sie stammen noch aus der Zeit, als Kühlschränke in Thailand noch nicht ihren Einzug gehalten hatten. Und auch heute noch sind sie in nahezu jedem Familienhaushalt anzutreffen. Bei dieser Plastikglocke sind die Löcher so klein, dass weder Fliegen noch anderes Ungeziefer sich über die Speisen hermachen kann. Diese Aufbewahrungsart vor allem mit den Essgewohnheiten der Thais zu tun. Zu den Mahlzeiten – besonders abends – wird immer eine große Auswahl an Gerichten zubereitet, die natürlich nie ganz verzehrt werden. Stattdessen bewahrt man die Gerichte dann bis zum nächsten Tag unter einer dieser Plastikglocken auf.
Das seltsame ist nur, dass diese Praxis auch dort vorherrscht, wo ein Kühlschrank vorhanden ist. Warum dann nicht das Hackfleischcurry und das Rührei gleich im Kühlschrank einlagern, wo Bakterien und Pilze ihr grauenhaftes Werk bei 4 Grad wesentlich langsamer verrichten als auf einem schmutzigen Küchentisch bei 30 Grad?
Bis zu der Erkenntnis, dass eine Tupperdose und ein Kühlschrank für wesentlich mehr Genuss beim Verzehr einer vor drei Tagen zubereiteten Speise bieten, dauert es in Thailand wohl noch ein bisschen.


Nicht im Bild obwohl vorhanden: Der Kühlschrank

Technorati:

1
Sep
2008

Analyse: Die thailändische Regierung versus Peoples`s Alliance for Democracy

Wer`s noch nicht mitbekommen hat – in Thailand gibt es seit letzter Woche Dienstag erhebliche Massenproteste von zumindest anfänglich etwa 35.000 Refgierungsgegnern, die durch eine Lähmung der Regierung deren Sturz herbeiführen wollten bzw. immer noch wollen. Am vergangenen Dienstag kam es zu einem ersten Paukenschlag der sogenannten „Gelben Hemden“, als sie den Regierungssitz, einen staatlichen Fernsehsender und zahlreiche Ministerien besetzten. Trotz einer dramatisierten Berichterstattung in den Medien verliefen diese Ereignisse aber im Grunde völlig gewaltlos. Das ist vor allem auf die bemerkenswerte Zurückhaltung der Polizei zurückzuführen, die sich fast widerstandslos von den Protstelern zurückdrängen ließ. Im Nachhinein brachte aber gerade die Besetzung der Fernsehstation und die damit einhergegangene Einschüchterung der Mitarbeiter des Senders einen Vertrauensverlust unter den PAD-Anhängern in die Rechtmäßigkeit ihres Vorgehens mit sich.
Die bisher dramatischsten Szenen spielten sich am Freitag auf einer Brücke in Bangkok ab, als die Polizei insgesamt elf Tränengasgeschosse gegen die Demonstranten einsetzte. Seit den Studentenunruhen von 1976 und den Protesten des Bürgertums 1992 bei denen zahlreiche Menschen durch staatliche Gewalt ums Leben kamen, haben die Thais aber eine extrem sensible Einstellung zu Polizeigewalt. Entsprechend kam es zu einem Aufschrei gegen die „Polizeibrutalität“. In diesem Zuge hat die Polizeiführung gestern ihren Beamten das Tragen von Knüppeln untersagt und Anweisung erteilt, sich fortan nur noch defensiv mit dem Schild gegen die Protestler zu verteidigen.
Und das ist genau das Wunderliche an der Situation. Ein Staat, der deutlich vom Militär geprägt ist und dessen Einwohner eine bislang verherrlichende Einstellung zu Gewalt haben, lässt zu, dass das Land in weiten Teilen durch eine Minderheit gelähmt wird und staatliche Einrichtungen besetzt werden, ohne sein Gewaltmonopol ins Spiel zu bringen.
In diesem Zusammenhang muss ich an den G8-Gipfel in Heiligendamm denken, als die deutsche Bundesregierung sich ohne Not über die Verfassung hinwegsetzte, die Bundeswehr zur Hilfe rief und die Polizei friedliche Demonstranten grundlos verletzte.
Hier in Thailand rührt der vorläufige Gewaltverzicht aus zwei unterschiedlichen Richtungen her. Zunächst einmal hat die Regierung Samak ohnnehin einem schweren politischen Stand. Der Regierungspartei PPP droht die Auflösung wegen Wahlbetruges, dem Premierminister eine Anklage wegen Korruption. Zudem kann sich Premier Samak im Umgang mit den Protesten keinen Fauxpas erlauben, denn schon 1976 hatte er eine zweifelhafte Rolle bei der gewaltsamen Niederschlagung der Studentenunruhen gespielt. Zudem scheint die Regierung das Problem aussitzen zu wollen. Nach der Besetzung von Regierungseigentum schwindet der Rückhalt der PAD in der Bevölkerung. Zudem formieren sich im Nordosten Thailand, wo die meisten Anhänger von Samaks PPP herstammen Gegendemonstrationen gegen die „tyrannische“ PAD. Die derzeit größte Gefahr von gewaltsamen Zusammenstößen kommt also aus dieser Richtung. Denn die Regierungsanhänger (mit Symbolfarbe Rot) wollen es nicht länger dulden, dass die PAD (die Gelben Hemden) weiterhin versucht, den von ihnen demokratischen Premier zu stürzen.
Derweil hat sich die Lage in Bangkok offenbar entspannt. Auch der Flughafen in Phuket hat den Betrieb wieder aufgenommen, nachdem er von den Demonstranten besetzt gewesen war.
Ein Eingreifen des Militärs scheint vorerst ausgeschlossen. Vermutlich wird aus den Protesten ein anhaltender Machtkampf zwischen Regierung und PAD unter dem vor allem die ohnehin schwächelnde Wirtschaft Thailands zu leiden haben wird.
Dabei übersehn alle Parteien wie mit Scheuklappen, dass jeder Tag, an dem die politische Instabilität anhält, der eigenen Volkswirtschaft irreversiblen Schaden zufügt.
Thailand, im Grunde eine der potentiell stärksten Volkswirtschaften in Südostasien, droht im Wettlauf der Tigerstaaten zum Schlusslicht zu werden.

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Mit Blaulicht durch Bangkok – Räuber und Gendarm

So weit ich mich entsinne, hat das Räuber und Gendarm-Spielen früher eine Menge Spaß gemacht. Ich kann aber nach der heutigen Erfahrung im Blaulicht-Gewerbe feststellen, dass es ziemlich gruselig ist, echte Gewalttäter dingfest zu machen, zumal wenn man selber gar kein Gendarm ist. Über Bangkok schwebte heute Nacht ohnehin wieder die Spannung, die alle auf einmal mit Knüppeln rumrennen lässt. Gestern gab es denn ganzen Tag die bislang schwersten Zusammenstöße zwischen der Polizei und der Protestbewegung, die die Regierung stürzen will.
Entsprechend war das heute das vorherrschende Thema. Trotzdem blieb es zumindest in unserem Einsatzgebiet ruhig und der interessanteste Fall, war eine offenbar alkoholisierte junge Frau, die gelegentlich hyperventilierte, wenn ein Thai-Kollege sie behandeln wollte. Bei mir war sie ganz entspannt und atmete ganz ordentlich. Der Situation war es sicher nicht zuträglich, dass wir sie mit allen Leuchten und Fanfaren mit Karacho ins Krankenhaus geschafft hätten. Aber die Thais lieben Action. Wenn hier einer aufs Knie fällt und ein bisschen blutete, ist das hier mehr Hektik, als wenn wir in Deutschland drei Leute gleichzeitig wiederbeleben. Aber so ist das Spiel.
Eben mussten sich dann zwei Prostituierte noch mal prügeln. Ziemlich derb sogar und es gab ordentlich Blut zu sehen. Statt die Patientin aber in die Klinik zu schaffen oder zumindest einmal die Blutung zu stillen, sprangen alle samt Patientin auf die Pritsche eines Polizei-Pick-Ups und rasten wieder mit allen Lichtern und Fanfaren wahllos durch die Gegend um die Täterin zu finden. Für so was bin ich aber nicht zu haben und entschloss mich daher mit den anderen mit den Motorrädern zurück zu unserem Bereitsstellungspunkt weiterzufahren. Stattdessen fühlten sich aber plötzlich alle dazu berufen, ebenfalls nach der Täterin zu suchen. Dabei gab es keine Personenbeschreibung außer, dass die Gesuchte ein Ladyboy sein sollte. Jetzt begannen wir also, alle Ladyboys festzuhalten und zum Tatort zu führen, wo es dann zu einer Gegenüberstellung hätte kommen sollen.
Das war mir dann aber echt zu blöd. Einfach Leute ohne einen Verdacht festzuhalten, beziehungsweise zu nötigen einen bestimmten Ort aufzusuchen, ist ja eine Anmaßung hoheitlicher Gewalt, die keinem von uns zustand. Offenbar wirkt aber die Uniform in Thailand ganz besonders.
Trotzdem hatte ich aber keine Lust wie der Hauptmann von Köpenick eine Abteilung Ladyboys rumzukommandieren und hab kurzerhand meinen Dienst für heute beendet.
Ich hab den weißen Kittel ja an, weil ich Leuten helfen will und nicht, um es den Leuten schwer zu machen. Zudem ist es recht unmoralisch eine ganze Personengruppe unter Generalverdacht zu stellen. Aber Bürgerrechte sind in Thailand gelegentlich ja den Schuss Pulver nicht wert.

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31
Aug
2008

Diese elende Mathearbeit

Es ist jetzt über fünf Jahre her, dass ich meine letzte Mathematik-Klausur geschrieben habe. Trotzdem lässt mich das Elend darum nicht los. Seit Nächten träume ich wiederholt, dass ich morgen ein Mathearbeit schreiben müsste, bzw. heute Nacht, dass ich sie verpasst hätte. Ich will nicht wissen, was ein Traumdeuter mit dem Hang zur Freudschen Psychoanalyse daraus ableiten würde. Für mich ist es aber ein eindeutiger Hinweis auf ein Posttraumatisches Stresssymptom (PST). Alles passt zu dem Erscheinungsbild, dass auch die Gis aus dem Irak mit nach Hause bringen: Unkontrolliertes Zittern, Weinkrämpfe und eben die Albträume. Doch im Gegensatz zu den US-Kriegern gibt es für mich keine professionelle Hilfe. Ich werde also weiter von klaffenden Ableitungen 3.Grades, völlig entstellten Parabeln und verstümmelten Gleichungen träumen müssen.

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Was mich an Bangkok nervt – Unflexibilität

Unflexibilität? Gibt`s das Wort überhaupt? Wenn nicht, dann gibt es es jetzt. Das beweist wie felxibel ich bin. Ganz im Gegensatz zu den Menschen in deren Land ich hier zu Gast bin. Eigentlich sieht es immer so aus als wäre in Thailand alles möglich. Und das ist es auch. Aber nur dann, wenn es eigentlich unmöglich ist. Das Dach zu decken bevor das Haus steht? Schon gesehen. Dass der Bus umdreht, nur weil einer zu spät gesagt hat, dass er vorher aussteigen wollte? Das war ich.
Aber die einfachsten und durchführbarsten Dinge im Alltag sind dafür unmöglich. Aber nicht weil es Verständigungsschwierigkeiten geben würde oder Umstände bereiten würde. Ganz im Gegenteil: Ein Großteil der Leute hier fährt einfach sein Schema F ab. Ein Beispiel: Heute morgen will ich an einem Straßenstand essen. Es gibt nur Curries mit Fleisch. Ich will kein Fleisch essen, also bitte ich die Verkäuferin auf Thai um mehr Gemüse statt Fleisch. Resultat ein Teller voll Fleisch. Der Grund: Thais essen gerne Fleisch und wenn dann also jemand einen Extrawunsch hat, dann gibt’s halt mehr Fleisch. Das jemand vegetarisch essen will außerhalb des vegetarischen Fastenfestes (Gin Jee) kann sich offenbar keiner vorstellen. Gestern habe ich darüber hinaus um mehr Soße gebeten und einen Löffel Reis extra bekommen. Vielen Dank, aber das hat die Sache nur noch trockener gemacht. Jetzt könnte man das sicher auf mein sprachliches Unvermögen zurückführen. Aber mitnichten –denn das Wort für Reis (Kaao) und Soße (Naam) lässt sich auch für einen Taubstummen deutlich von den Lippen ablesen. Thais mögen aber halt keine Soße oder Brühe und bestellen sich sogar die Nudelsuppe ohne Suppe (stimmt wirklich).
Diese Unflexibilität führt sich durch alle Bereiche des Alltags fort. Viele Dinge werden so gemacht, weil sie schon immer so gemacht wurden. Dabei ist Thailand eigentlich ein Land, in dem noch vor 50 Jahren alles ganz anders war.
Vielleicht stammt das aus dem chinesischen Erbe der Thais, die ja vor einer Zilliarde Jahre aus Südchina eingewandert sind. Auch der Chinese hält ja eigentlich nichts von Veränderung, was das Land durch jahrhundertelange Abschottung gegen den Westen eindrucksvoll bewiesen hat.
Fairerweise muss an dieser Stelle auch gesagt werden, dass das nur für die Unterschicht in Thailand gilt. Die sich gerade entwickelnde Mittelschicht in Bangkok ist da nämlich genau umgekehrt. Die probieren alles aus. Und wenn`s aus dem Westen kommt erst recht.
Natürlich scheint es auch ein bisschen polemisch, die Qualitäten einer Gesellschaft an einem Zwischenfall während des Frühstücks festzumachen.
Für mich bleibt das aber symptomatisch.

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30
Aug
2008

Was macht eigentlich…George W. Bush

(vorproduziert)
Der charismatische Texaner stand zwei Amtszeiten an der Spitze der letzten verbliebenen Supermacht der Erde und bemühte sich, motiviert durch die zahlreichen Lobbys und das eigene innenpolitische Unvermögen, Freiheit und Demokratie über dem Erdenrund auszugießen (wobei er erst Mitte seiner zweiten Amtszeit wirklich akzeptierte, dass es wirklich keine Scheibe ist).
Der weit gereiste Republikaner, der vor seinem Amtsantritt bereits Staaten wie Oklahoma und New Mexico besucht hatte, prägte vor allem mit der Nichtunterzeichnung des Kioto-Protokolls das Klima für die kommenden Jahrhunderte.
Über seine beiden Amtsperioden war Bushs Politik von tiefer Religiosität geprägt gewesen („Wenn Gott will, dass das New Orleans untergeht, dann soll es so sein“).
Bushs nachhaltiges Wirken wird uns auch in der kommenden Dekade noch öfter ins Gedächtnis treten, so sorgte der Ex-Präsident durch den Aufschub des Cluster-Bomben-Verbots dafür, dass es auch in kommenden Generationen noch genug Einbeinige geben wird.
Heute genießt Bush seinen Ruhestand auf seiner texanischen Ranch und nimmt mit mäßigem Erfolg an Buchstabierwettbewerben teil.

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29
Aug
2008

Mit Blaulicht durch Bangkok - Das Video

Gar nicht mal so einfach auf der Pritsche eines Rettungsfahrzeuges des Bangkoker Rettungsdienstes zu stehen das mit Blaulicht und Sirene und 100 km/h durch das Regierungsviertel von Bangkok jagt. Ich hätte ja gerne auch mal ein Bloopers-Video von meinen Aufnahmen gemacht, wo mich meine Kollegen auffangen um zu verhindern, dass ich vom Auto falle, oder ich einfach einen peinlichen Purzelbaum nach dem anderen mache während das Fahrzeug anfährt.
Der letzte Dienst war wieder extrem anstrengend. Bis 1 Uhr nachts war fast nix und dann bin ich nur noch mit den Vorrausmotorädern von einem Notfall zu anderen gerast.
Es lag an dem Tag aber auch in der Luft: Ungewöhnlich schwül und heiß (noch mehr als sonst). Ich Leute haben gar nicht mehr aufgehört sich zu prügeln und selbst die Polizei hatte Mühe die Leute auseinander zu bringen. Nachts um drei hatten wir dann einen Fall, da hab ich den einen gerade zusammengeflickt, während sie sich im Hintergrund schon wieder/immer noch geprügelt haben. Schon sehr anspannend.
Um vier Uhr nachts wollte ich dann zu meinem Schichtende ausspannen und einfach in einer Straßenkneipe noch ein Bier trinken um runter zu kommen und selbst da wollten sie dann mir ans Leder. Aber ohne mich.
Rückzug ist die beste Verteidigung.

Hier das Video:



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28
Aug
2008

Neues aus Bangkoks ÖPNV

Sicher gibt es in Deutschland jede Menge Leute, die sich dort über den Öffentlichen Personennahverkehr aufregen. Wenn die S-Bahn mal wieder stundenlang nicht kommt, weil sich jemand entschlossen hat, seinem Leben auf den Gleisen ein Ende zu setzen. Wenn die Regionalbahn mal wieder nicht gewartete oder der Busfahrer ein so unfreundlich wie möglich die Fahrkarte verkauft hat.

Bus in Bangkok

In Bangkok sind die Leute ja in der Regel eher nett – zumindest oberflächlich. Aber auch hierzulande ist der Fahrkartenverkauf eine eher schroffe Transaktion. Wenn man überhaupt so weit kommt. Denn im Prinzip gibt es in Bangkok keinen wirklich vernünftigen Busfahrplan obwohl es Busse wie Sand am Meer gibt in der „Stadt der Engel“, wie Bangkok in der Landessprache heißt. Für den schicken BTS Skytrain, also die Bangkoker Hochbahn, die sich der handelsübliche Thai aber eigentlich kaum leisten kann, gibt es an jeder Ecke einen Plan. Um mit der aber einmal nur halbwegs durch die Stadt zu kommen muss eine Friseuse oder ein Bauarbeiter einen halben Tag arbeiten.
Um also rauszufinden, wie man mit dem Bus fahren muss, fährt man am besten mit dem Taxi einmal da hin wo man hin will und kuckt, welche Busse da ankommen. Dann fährt man zurück und kuckt, welche Busse von der Haltestelle vorm Haus abfahren, findet die gemeinsamen Nenner und schon kann die Fahrt losgehen. Man kann auch die Leute fragen, aber dafür muss man halt die Landessprache sprechen (soweit ich weiß ist das hier Thai). Das geht auch, allerdings kann es sein, dass man dann auch mal mit dem Bus durchs Knie ins Auge fährt. Und das drei Stunden lang für eine Strecke, die man in der Hälfte der Zeit hätte laufen können.
Erschwerend kommt hinzu, dass selbst wenn man den Bus kennt und weiß ab wo er wohin fährt, es noch lange nicht bedeutet, dass der Bus auch wirklich da hält. Manchmal halten sie auch vor oder nach der Haltestelle. Die Thais spüren das offenbar. Außerdem scheint es ein negatives Merkmal zu sein alleine und Nicht-Thai zu sein. Ich will da keine Diskriminierung unterstellen, aber ich hab noch nie gesehen, dass ein Bus für einen Thai nicht angehalten hätte. Ausländer bleiben da oft auf der Strecke – um im Bild zu bleiben.
Und so toll sind die Busse ja eigentlich gar nicht. Es gibt drei Sorten. Kleine, alte japanische Busse, die grün und abenteuerlich und die billigsten sind. Mit denen fahre ich am liebsten, weil sie so rustikal sind. Dann gibt es die Großen. Auch bei denen stehen die Fenster offen. Das bedeutet, dass man in der Rush-Hour locker mal soviel Smog wegatmet, als hätte man vier Päckchen Reval ohne Filter geraucht.
Dann gibt’s die Busse mit Klimaanlage. Die sind die teuersten, was aber eigentlich immer noch günstig ist (18 Baht also in etwa 40 Cent). Aber auch die erfinden den Sauerstoff ja nicht neu, sondern kühlen nur die Umgebungs-Abgase runter. Vor lauter Kohlenmonoxid wird man schon nach fünf Minuten extrem müde, pennt ein und wacht erst nach der angepeilten Zielhaltestelle wieder auf, um dann mit einem teuren Taxi zurückzufahren.
In Bangkok heißt es deswegen also nicht nur „Quo vadis, sondern vor allem wie“.

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27
Aug
2008

Gluai`s Ngaan Buat - Das Video

Ich bin ja auch `ne Nuss. Da hab ich das Video schon ewig fertog und poste es einfach nicht. Wer sich erinnern mag: Es ging um die Mönchswerdungszeremonie von meinem Bekannten Gluai.

Check it out:



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26
Aug
2008

Pratu Namo vs. Batman

Ich hab schon an einigen Stellen früher geschrieben, dass die Fauna in Thailand auch in Bangkok sehr reich ist. Elefanten, Ameisen, Pythons, haben wir ja alles. Am schlimmsten, weil sie mir am häufigsten begegnen, sind aber die Fledermäuse. Ich wohne in einem Gebiet an dem rechts neben der Holperpiste, die entfernt an eine Straße erinnert ein kleines Waldstück liegt. Danach kommt dann die Slumsiedlung. Links ist eine Art Sumpf. Also gar nicht so ungünstige Vorraussetzung für eine große Fledermaus-Populatio.Jede Menge Mücken und gleichzeitig ein schönes Rückzugsgebiet im Wäldchen.
Vor allem in den frühen Abendstunden kurz nach Einbruch der Dämmerung, wenn die Mücken besonders zahlreich sind, kreisen die Fledermäuse.
Wenn ich aber abends aus dem Haus gehe, um im 7/11-Laden vorzugsweise Bier und Zigaretten zu kaufen, peilen die Biester auch mich an. Und offenbar ist ihr Ultraschall-Organ nicht so hoch entwickelt um mich schon aus der Distanz als Nicht-Insekt zu erkennen und frühzeitig abzudrehen.
Weil ich aber keine Interesse daran habe, dass sich so ein Ding mal in meinen Haaren verfängt, bin ich immer unterwegs als würde ich mich direkt in einem Häuserkampf befinden: Immer wieder in Deckung gehen und geduckt mit möglichst geringem Profil kämpfe ich mich auf freies Gelände.

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11
Aug
2008

Ganztagskindergartenplätze in Bangkok

Neulich ist mir wieder die ewig währende Diskussion um Ganztagskindergartenplätze für die Betreuung von Kindern berufstätiger Mütter in Deutschland zu Ohren gekommen. Hier in Bangkok gibt es so was – zumindest für die, die es wollen/müssen.
Einfach einen kleinen Stall gezimmert und neben das eigene Straßenrestaurant gestellt. So hat man die kleinen während der Arbeit immer im Blick und wenn mal gerade nix los ist, kann man weiter an der Erziehung des Nachwuchses arbeiten.
Ich erinnere mich auch, dass in unserem Büro eines Jobs aus vergangenen Tagen auch immer Kinder zugegen waren, die einem lautstark um die Füße geturnt sind. Sowas ist einer professionellen Arbeitsumgebung natürlich nicht zuträglich. Aber: Anders als in Deutschland herrscht hier in Thailand Vollbeschäftigung. Das bedeutet, dass man als qualifizierte junge Frau durchaus Forderungen an den Arbeitgeber stellen kann – zum Beispiel die Kinder mit zur Arbeit zu nehmen.



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27
Jul
2008

Mit Blaulicht durch Bangkok

Es ist geschafft: Seit über einem Monat bin ich jetzt offizielle Mitarbeiterin im thailändischen Rettungsdienst. Dieser Schritt war nicht nur wichtig, weil mir dieses Betätigungsfeld Spaß macht, sondern vor allem notwendig für meine weitere Integration in die thailändische Gesellschaft.
Jetzt verbringe ich meine Samstagabende als an unserem Stand-by Punkt an der Reiterstatue an der Ratchadamnoen Road (Laan Phra Ruub) und schiebe dort Dienst von 21 bis 5 Uhr morgens.
Noch vor einem Jahr habe ich mich bei den vorbeibrausenden Pick-ups des Rettungsdienstes gefragt, wie das in Thailand wohl organisiert ist und daran gedacht, wie spannend es wohl sein müsste, dort mitzuarbeiten.
Jetzt weiß ich es und: Es ist noch spannender als ich es mir vorgestellt hatte, vor allem wegen dem deutlich höheren Actionfaktor, der nicht mit den abgeklärten Abläufen in Deutschland vergleichbar ist.
Wir stehen abends an unserem Posten, plaudern, rauchen und aus unzähligen Funkgeräten plärren Sirenengeheul, Codes, Wegbeschreibungen und Standortmeldungen. Plötzlich ruft dann einer: “Code 15!“ und innerhalb von Sekunden findet man sich auf dem Sozius eines der Voraus-Motorräder oder auf der Pritsche eines Pick-ups wieder und donnert mit vollem Karacho, mit Blau, -Rot und Gelblicht und infernalischem Sirenengeheul über die roten Ampel. Alle pusten in ihre Trillerpfeifen was das Zeug hält und rudern mit den Armen um den verkehr anzuhalten. Die Fahrer der Pick-ups und die der Voraus-Motorräder brüllen sich durch das geöffnete Fenster während der Fahrt gegenseitig an, um den richtigen Anfahrtsweg rauszufinden, denn der Funkkanal ist dann sofort überlastet.
Die Geschwindigkeit, mit der wir auf den Notruf reagieren, hat nicht nur mit dem Wohl des patienten zu tun. Es gibt in Bangkok auch eine Art „Kopfgeldjäger“. Ambulanzen, die auch den Funkkanal abhören und dann schnell zu der gemeldeten Stelle gefahren, den Patienten einladen und in ein bestimmtes Krankenhaus bringen, wo sie dann eine Art Kommission bekommen.
Die Truppe, bei der ich dabei bin, arbeitet aber ausschließlich ehrenamtlich und die Mitglieder unserer Teams sind auch halbwegs ausgebildet.
Wo ich gerade die Ausbildung erwähne: Man hat mich gleich bei meinem ersten Auftritt auf der Bühne der Notfallmedizin in Bangkok gebeten, ob ich nicht die Ausbildung des Teams übernehmen könnte, weil ich natürlichen nach deutschem Standard ausgebildet bin, der das thailändische Niveau bei Weitem übertrifft.
Mit soviel Ehre hatte ich dann doch nicht gerechnet. Aber da wusste ich auch noch nicht, dass ich innerhalb von ein paar Wochen zum Star der Szene avancieren würde.
Letzte Woche hatten wir übrigens eine riesige Python hinten auf dem Auto. Bestimmt 20 Zentimeter dick und was weiß ich wie viele Meter lang. Wir waren zu einem Verkehrsunfall gerufen worden. Die Feuerwehr war auch da um technische Hilfe zu leisten. Zuvor hatten sie die eben genannte Python eingefangen und sie jetzt immer noch dabei. Weil wir auf dem Rückweg zu unsrem Stand-by Punkt am Dusit Zoo vorbeikommen würden, haben sie sie einfach bei uns auf die Pritsche geworfen- direkt neben mich (Glücklicherweise aber in einen Sack gesperrt).



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26
Jul
2008

Was macht eigentlich…

Der Stern hat die Rubrik „Was macht eigentlich…“ ja schon seit einer Millionen Jahren auf seiner letzten Seite und fragt dort mal bei den Menschen nach, die mal berühmt und im Gespräch waren, heute aber in Vergessenheit geraten sind.
Auch mir fallen immer mal wieder Subjekte ein, von denen man eine ganze Weil nichts mehr gehört hat – zum Beispiel Asylanten.
In den Neunzigern waren die ja ganz groß im Gespräch gewesen, vor allem wenn ihnen in Hoyerswerda ihre Wohnheime angezündet wurden und ihnen draußen die Leute mit Bier in der Hand, vollgepisster Hose und gestreckten rechten Arm entgegenwinkten.
Nach der Verschärfung des Asylrechts kriegt man jetzt aber kaum noch was zu hören. Obwohl die USA ja eigentlich derzeit dafür sorgen, dass es wieder genug Länder auf der Welt gibt, in denen Menschen um ihr Leben und das ihrer Familie fürchten müssen und sich deshalb gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen. Auch sonst ist die Welt kaum besser geworden.
Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass die Leute, die in den Neunzigern als wilder Mob Jagd auf Asylanten machten heute als Partei organisiert in den Landtagen sitzen.

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22
Jul
2008

Isaan Hardcore

Das Leben im Dorf ist auf den ersten Blick die reine Idylle. Das echte unverfälschte Thailand. Die Menschen stehen bei Sonnenaufgang auf, überall sorglos spielende Kinder, Hunde die sich faul von einem schattigen Plätzchen zum anderen schleppen, Hähne die mutig mit den Flügeln schlagen, wenn ich auf dem Weg zum Tempel an ihren Bambuskäfigen vorbeischlendere. Jeder bietet einem an an seinem Essen teilzuhaben und übernachtet wird sowieso je nach Gelegenheit, oft fünf oder sechs Menschen, die in einem winzigen Raum kreuz und quer durcheinanderliegen. Gegessen wird aus einer Schüssel – vorzugsweise mit den Fingern.
Alle trinken aus einem Glas und die alten Frauen kauen den ganzen Tag ihre Betelnüsse. Zum Früstück gibt es scharfen Papayasalat und Bier, abends dann selbstgemachten Reisschnaps und irgendwo ist immer gerade eines der traditionellen Dorffeste, die sogenannte „Mor Lam“. Schon die jüngsten fahren auf ihren Mopeds durchs Dorf, während in jedem Haus die Frauen zu zweit sitzen und ihre bunten Bastmatten flechten. Auf den Feldern arbeiten die Bauern in der glühenden Mittagshitze unter großen Strohhüten und den ganzen Tag spielt irgendwo ein Lautsprecher die Luk Tung-Meldodien Thailands. Irgendjemand ist immer gerade zu Besuch da und gegessen wird sowieso den ganzen Tag über. Nachmittags gibt es dann ausgedehnte Mittagsschläfchen. Und die Menschen haben viel, viel Geduld und sitzen im Zweifel den ganzen Tag auf den großen Bambustischen und tun nichts.
Sicher idyllisch. Aber seit gestern geht es mir sowas von auf den Keks und ich schlage drei Kreuze, wenn ich wieder in Bangkok bin: Sicher ist es schön zu Sonnenaufgang aufzustehen – aber nur wenn man will. Wenn man allerdings erst in der Nacht zuvor angekommen ist, will man das unter Umständen gar nicht. Muss aber. Das „Greng Jai“, die vielgerühmte gegenseitige Rücksichtnahme greift in diesem Fall nicht. Und wenn man nicht sofort aus dem Bett springt, wird halt solange der Name gerufen – notfalls hundertmal hintereinander. Von den Hähnen ganz zu schweigen. Deren Gekrähe fängt nämlich schon um vier Uhr nachts an. Wer also im isaanischen Dorf nicht um neun ins Bett geht, hat keine Chance neun Stunden schlafen zu können.
Es ist sicher schön, wenn man bei jedem zum Essen eingeladen wird, aber nur, wenn man auch die Wahl hat. Wenn man plötzlich essen muss, obwohl man gar keinen Hunger hat, oder einfach nicht auf den vorgsetzten Innereien-Eintopf und den gekochten Fischkopf steht, wird die Einladung schnell zur Qual. Denn natürlich kann man nicht ablehnen.
Umgekehrt komme ich gerade aus Nong Han zurück. Dort habe ich mir Pat Si-iu, leckere breite Reisnudeln in dunkler Soße, zum Mitnehmen bestellt. Hier im Dorf angekommen hänge ich die Tüte mit der Styroporbox an einen Nagel an der Treppe und gehe ins Wasserzimmer, um das Ab Naam zu praktizieren. Jetzt ist mein Mittagessen allerdings schon längst verschwunden. Von der Tatsache, dass ich dann wohl denn ganzen Tag mit einer dünnen Nudelsuppe, die ich zum Frühstück hatte, durchkommen muss, zeigt man sich hier nämlich gänzlich unbeeindruckt. Soviel zu „Greng Jai“ bzw. gegenseitiger Rücksichtnahme. Sollte ich es den restlichen Tag über zu äußern wagen, dass ich Hunger verspüre, muss ich wieder an die Fischkopfsuppe, Hühnerfüße, rohe Muscheln oder Papayasalat mit vergorenem Fischsaft.
Selbstbestimmtheit ist das, was mir im dörflichen Nordostthailand am meisten abgeht. Die Entscheidung darüber, wann ich was esse, ob ich morgends Bier trinke oder nicht.

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